Wie wir in den Bergen fotografieren.

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15.07.2026
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Mit zwei Kameras, die fast nichts erlauben.

Jeder Pfad beginnt ähnlich. Wir steigen mit zwei kleinen Kameras auf. Keine Wechselobjektive, kein Zoom. Nur eine feste Brennweite, ein eigenes Presets und der Versuch, von jeder Szene ein echtes Bild zu machen. Es verändert etwas, in den Bergen zu fotografieren, wenn die Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt sind.

Ein Bild pro Szene

Mit dem Handy macht man zehn fast gleiche Aufnahmen und sucht später eine aus. Wir versuchen daher das Gegenteil. Unsere Strategie: Ein Bild pro Szene. Unser Equipment soll uns zudem so wenig wie möglich beim Aufsteigen und Wandern behindern.

Entscheiden, bevor wir auslösen, nicht danach. Das gelingt uns mal besser, mal schlechter. Aber dieser Vorsatz verändert, wie wir oben stehen. Wir schauen länger auf das Licht. Wir gehen zwei Schritte zur Seite oder näher zum Motiv, anstatt ranzuzoomen. Und manchmal lassen wir die Kamera im Gurt, wenn das Bild noch nicht da ist.

So entstehen unsere Bilder. Direkt im Moment. Nicht im Nachhinein, am Bildschirm.

Zwei kleine Kameras

Wir tragen wenig hinauf. Für die Standbilder eine Ricoh GR IIIx. Für die bewegten eine DJI Osmo Pocket 4. Beide passen in eine Hand, beide wiegen kaum etwas — und im Gebirge zählt jedes Gramm, das nicht stört.

Die Ricoh hängt an einer kleinen Hängetasche vor der Brust. Auch an unbequemen Stellen, am Klettersteig, in der Querung, ist sie mit einer Hand da. Auspacken, auslösen, weitergehen. Keine Tasche öffnen, kein Objektiv wechseln. Eine Kamera, die man nicht spürt, bis man sie braucht.

Auf die Ricoh hat mich ein Freund gebracht, der schon länger damit fotografiert. Ich kann sie nur weiterempfehlen. Mit ihr zu fotografieren macht einfach Spaß. Aufgrund des Gewichts kann man damit auch einhändig fotografieren.

Warum nur JPG

Die Ricoh ist bei uns so eingestellt, dass sie nur JPG liefert. Kein RAW. Die meisten, die ernsthaft fotografieren, werden hier kurz schlucken. Für mich hat das aber System. Vor allem im Kontext von Saumpfad:

Kein Entwickeln danach, keine Stunden am Regler. Das Bild kommt fertig aus der Kamera. Diese Limitierung ist eine bewusste Entscheidung. Wer RAW fotografiert, schiebt den eigentlichen Moment nach hinten — ins Bearbeiten. Genau das wollen wir nicht. Wir versuchen mit dem zu arbeiten, was der Berg gibt: dieses Licht, dieser Dunst, diese Stunde. Knipsen wir es, oder lassen wir es. Das ist ehrlicher zum Augenblick, in dem wir wirklich waren.

Es ist auch eine leise Gegenrede. Gegen den Hochglanz, der durch die Feeds läuft. Gegen Bilder, die so lange poliert werden, bis jedes Detail stimmt — und am Ende stimmt nichts mehr, weil keiner mehr richtig dort war. Gegen Aufnahmen, die eine Maschine erfunden hat und die niemand erlebt hat.

Poesie führt, Nutzen dient — das gilt bei uns für Texte. Beim Fotografieren heißt es: der Moment führt, der Regler bleibt aus.

Die Presets – der Stich ins Gelbe

Was die Bilder zusammenhält, ist ein eigenes Preset (Ricoh Recipes). Ich habe es über die Zeit für die Berge gebaut, für das intensive Licht der Höhe.

Es nimmt den Kontrast zurück. Es wärmt die Rottöne an und legt einen leichten gelblichen Schleier über das Ganze. Es sieht aus wie eine Bergaufnahme von früher, als hätte sie ein paar Jahrzehnte in einer Schublade gelegen. Wir fotografieren digital aber dieser Look ist ans analoge angelehnt.

Als Kind habe ich die Fotos meiner Großeltern und Eltern angeschaut. Berge, analog entwickelt, manche in Schwarzweiß. Genau diese Bilder lösen bei mir bis heute aus, was ich Heimat nenne. Die Ricoh-Presets sind der Versuch, diesem Gefühl nahezukommen — keine Nachahmung, nur in seine Richtung zu gehen.

Wenn ich dem Look einen Namen geben müsste, wäre es Kodak Gold 200. Der warme, leicht goldene Film, auf dem die Sommer von früher liegen. Daran ist mein Ricoh-Rezept angelehnt: zurückgenommener Kontrast, angewärmte Rottöne und Schatten, die nie ganz ins Schwarz fallen. Über die Jahre ist eine Filmrezept entstanden, welches die Berge so aussehen lässt, wie ich sie in Erinnerung habe.

Manche Wege gehen einem nicht mehr aus dem Kopf. Diese hier kannst du selbst gehen — und fotografieren: Alle Pfade.

Und manchmal Schwarzweiß

Über das Einstellrad der Kamera lässt sich einhändig ein zweites Rezept in Schwarzweiß einstellen. Grob im Korn, viel Kontrast, harte Kanten zwischen Hell und Dunkel. Es ist das Gegenteil von Ruhe. Wir lieben die Dramatik der Schwarzweiß-Bilder.

Wir nehmen es, wenn eine Szene Spannung verträgt statt Wärme. Wenn das Wetter kippt, der Nebel reißt, das Licht hart wird. Emotionalere Bilder, weniger Ruhe. Manchmal will der Berg genau das.

Vielleicht teilen wir die Rezepte eines Tages. Noch sind sie nur unsere.

Eine feste Brennweite, kein Zoom

Die GR IIIx hat eine Fixbrennweite — 40 Millimeter im Kleinbild, und das ist alles. Kein Zoom. Kein künstliches Heranholen.

Das klingt nach Verzicht, ist aber das Beste an ihr. Tatsächlich konnten wir die ein oder andere Begenung mit einer Gams aufgrund des fehlenden Zooms nicht in ein Bild bringen. Aber gerade deshalb war der Moment und das Aufeinandertreffen wahrscheinlich stärker und muss in unseren Erinnerungen leben.

Wenn du nicht zoomen kannst, musst du gehen. Du wählst den Ausschnitt mit den Füßen, nicht mit dem Daumen. Du hast wenige gestalterische Möglichkeiten — also benutzt du sie präzise oder wägst ab. Das schult das Auge. Man fängt an, vorher zu sehen, was ins Bild passt und was nicht.

Im Gebirge passt das gut zusammen. Oben ist manchmal gut Platz, manchmal aber nicht. Man kann sich bewegen, einen Schritt zurück, eine Stufe höher, bis der Ausschnitt sitzt. Aus dieser Einschränkung ist über die Jahre unsere Bildsprache geworden.

»Dann nehmt ihr doch gar nichts wahr«

Manche sagen, wer fotografiert, ist nicht wirklich da. Steht am Grat und sieht alles nur durch die Kamera. Spürt den Berg nicht, weil er ihn ablichtet.

Für uns ist es umgekehrt.

Die Kamera ist unser Fenster zur Welt. Gerade weil die Ricoh mir so wenig erlaubt, müssen wir genauer hinschauen. Wir können nicht alles einsammeln, also suchen wir das wahrhaftige. Den Schatten eines Grashalms auf dem Fels. Wie der Nebel an der Kante reißt. Das Schild, das schon zu lange dort steht.

Wir nehme nicht weniger wahr, seit wir fotografieren. Wir nehmen mehr wahr.

Warum Hochformat

Manchen mag es vielleicht schon aufgefallen: Saumpfad lebt vom Hochformat. Fast jedes Bild steht. Das Hochformat haben uns die sozialen Plattformen praktisch vorgeschrieben. Erst war ich skeptisch. Eine Landschaft ist breit, das Auge ist breit — warum sollte ein Bergbild stehen? Auch das ist etwas, was unseren Wanderblog anders macht.

Inzwischen mögen wir es. Es gehört zu der Art, wie wir die Berge zeigen.

Eine Weite ins Hochformat zu bringen, ist eine spannende Aufgabe. Man kann nicht einfach das Panorama ablichten. Man muss den Vordergrund mitdenken, einen Weg hineinlegen, das Bild von unten nach oben bauen — vom Stein vor den Füßen bis zum Grat. Dabei entdeckt man Details, die im Querformat untergegangen wären.

Bewegte Bilder — der Osmo am Berg

Für Video nehmen wir die Osmo Pocket 4. Klein, mit Gimbal, mit einer Folgefunktion, die das Motiv ruhig hält, während man weitergeht. Eine Hand reicht.

Dazu ein ND-Filterset. Das ist oben kein Zubehör, das ist Pflicht. Die Sonne am Berg steht hart, das Licht ist grell und gnadenlos. Ohne Filter brennt jeder Fels aus, das Weiß kippt. Mit ND bleibt die Bewegung weich und das Licht dort, wo es war.

Was bleibt

Am Ende eines Tages bleibt nicht viel.

Müde Beine. Der Geschmack von Bergluft. Und ein Bild, das wir nicht erfunden, sondern gefunden haben.

Eine feste Brennweite, ein JPG, ein Preset, das nach Großeltern riecht. Mehr braucht es nicht, um nach einer Wanderung im Gras zu sitzen und zu wissen: Das eine Bild, das wir gemacht haben, ist genau das, was hängen geblieben ist.

Manche Wege gehen einem nicht mehr aus dem Kopf. Diese hier kannst du selbst gehen — und fotografieren: Alle Pfade.


Die Ausrüstung im Überblick

Ricoh GR IIIx

Feste Brennweite, 40 mm (Kleinbild-Äquivalent, real 26,1 mm), APS-C-Sensor mit ca. 24 MP, eingebauter ND-Filter, ca. 262 g. Export: nur JPG, mit eigenen Presets, keine Nachbearbeitung.

DJI Osmo Pocket 4

1-Zoll-Sensor, mechanischer Gimbal, Folgefunktion (ActiveTrack), interner Speicher. Dazu ein ND-Filterset für das harte Licht der Höhe.

Zubehör

Trageweise — Hängetasche vor der Brust, einhändig erreichbar, auch am Klettersteig.
Rucksackhalterung für die Osmo Pocket.

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